Motorradtour durch Alaska 

Alaska, Anchorage, Top of the World Highway, Dawson City, Dempster Highway, Canol Road, White Horse, Fairbanks, Seward

 Alaska Michael Witsch

Wir haben den 22.Juli 2004. Marcus hat mich zum Frankfurter Flughafen gefahren, damit ich dort den Flieger nach Alaska nehmen kann. Ein kurzer Abschied und dann geht es auch schon alleine in Richtung Abfertigung. Wegen der Verschärfung der Abfertigungs-vorschriften und der gesteigerten Kontrollen bin ich auch mal vorsorglich rechtzeitig erschienen.

Dem Abflug ist wie immer eine aufwendige, vor allen Dingen aber auch spannende Vorbereitungszeit voraus gegangen. Nachdem ich dieses Jahr keinen Mitstreiter für die geplante Motorradtour finden konnte - zu weit, zu kalt, zu teuer, zu gefährlich, zu viele Bären - ich andererseits aber nicht verzichten wollte, habe ich mir grundsätzliche Gedanken darüber gemacht, was alleine und ohne großen logistischen Aufwand zu bewältigen wäre. Es bot sich insofern direkt Amerika, bzw. Kanada an, weil ich dort bereits die Erfahrung gemacht habe, dass es für den deutschen Touristen recht unproblematisch ist einzureisen, Fahrzeuge anzumieten und sich vor Ort zu versorgen. 

Aber wie das immer so in der Planungsphase ist, der Blick schweift auf der Landkarte nach links und rechts um die Grenzen dessen zu erfassen, was mit dem Motorrad überhaupt noch erreichbar ist. So war es logische Konsequenz, dass ich irgendwann über die Rocky Mountains hinaus bis nach Alaska plante.

Da der Transport meines eigenen Motorrades etwas über was 3500.--€ kosten sollte – o.k. hätte ich doch besser Aktien von Fluggesellschaften gekauft -  habe ich mich für die Anmietung eines Motorrades entschieden und letztendlich auch über die in München ansässige Unternehmung GS Sportreisen, dort Herr Walter, den Kontakt gefunden.

Allerdings war in Alaska wiederum nicht in Erfahrung zu bringen wie das Motorrad , letztendlich hatte man mir die von mir gewünschte KLR 650, zur Verfügung gestellt, ausgestattet war und was gegebenenfalls bei der von mir geplanten Route erforderlich sein würde.

Da ich zudem zur Schonung des Reisebudgets nur zelten wollte, war der Packsack zum Zeitpunkt des Abfluges im Wesentlichen mit Campingausrüstung und einer dicken Werkzeugrolle bestückt - Körperhygiene wird auf solchen Extremtouren ohnehin überschätzt.

Gerade diese Werkzeugrolle führte bei der Abfertigung auch zu erheblichen Mehraufwand.

In meiner Werkzeugrolle befindet sich eine Stange Zwei Komponenten Metall die als Reisegepäck wohl recht ungewöhnlich ist und bereits an der ersten Kontrolle Misstrauen erregte.

Entsprechend durfte ich dann unter dem Blick der drängelnden Mitreisenden mein Gepäck offen legen. War das Gepäck selbstverständlich zu Hause in Ruhe verstaut worden, so gestaltete es sich jetzt langwierig wieder alles in der Hektik der Abfertigung in den Packsack zu stecken.

Gesagt getan, letztendlich war ich eine gute Stunde und vier Kontrollen später auch am Boarding Schalter;-).

Mit Erstaunen durfte ich zunächst feststellen, dass ich das Durchschnittsalter wahrscheinlich deutlich gesenkt habe, außer mir war nur noch Ruth an Bord, die etwa in meinem Alter war. Glücklicherweise hatten wir Sitzplätze neben - einander, so dass wir den doch recht langatmigen Flug einigermaßen überstehen konnten. Bedauerlicherweise hatte die Fluggesellschaft vergessen mitzuteilen, dass noch eine Zwischenlandung in Whitehorse anstand, was den Flug mit Wartezeiten und weiteren Personenkontrollen nochmals deutlich verlängerte, letztendlich ist der Flug aber in elf Stunden zu absolvieren.

Wie immer habe ich die Zeitverschiebung nicht so ganz auf die Reihe gekriegt, Alaska dürfte aber etwa acht Stunden hinter unserer Zeit liegen, da ich kurz nach Mittag in  Anchorage angelandet bin. Im Gegensatz zu den Überseeflügen nach Australien oder Neuseeland hatte ich kein Problem mit dem Jetlag und habe mich direkt vom Flughafen aus mit Keith Hull, dem Vermieter und Veranstalter von Outdoor Motorradreisen in Verbindung gesetzt. 

Es dauerte dann auch kaum 15 Minuten als ich zum ersten Mal einen Truck mit dem Motorrad hinten drauf an der Wartehalle vorbeifahren sah.

Erneuter Anruf, nächste Runde mit dem Motorrad, diesmal deutlich weiter entfernt. Mittlerweile hatte sich die Ankunftshalle auch vollständig geleert, dass von Andrea extra ausgeliehene Tri Band Handy funktioniert in diesem Teil Amerikas nicht, erst Samantha- eine süße, etwa 150 kg schwere Blondine- machte der Angelegenheit ein Ende und rief Keith über ihr Mobilfunkgerät heran.

Ich habe selten eine so lockere Leihmotorradübergabe erlebt wie hier. Keith, der Besitzer selber, war gerade mit einer Motorradgruppe unterwegs, hatte seinen Schwager zur Abholung geschickt. Dieser wollte mir eine erste Einführung in die Motorradtechnik geben und spannte die Kette ohne Last,  dass sie sicherlich keine 200 Meilen gehalten hätte. Es wurde lediglich der Tachostand notiert, weitergehende Kontrollen des Fahrzeugs unterblieben gänzlich, wobei ich dazu sagen muss, dass ich in dieser Hinsicht auch recht vertrauensselig bin.

Tachostand Abfahrt

Tachostand Ankunft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Das war jetzt der 22 Juli, 15:00 nachmittags und ich stand mutterseelenallein in Anchorage. Über Ruth hatte ich erste Informationen bekommen und zunächst die entsprechenden Läden in Anchorage aufgesucht.

Es ist dies namentlich der Outdoorausrüster REI, der ein wahres Paradies an Ausrüstung zu bieten hat.

Hinzu kommt auch noch, dass die Preise deutlich geringer sind als dies hier bei uns der Fall ist. Wenn ich richtig gerechnet habe, ist es fast schon lohnend ohne Ausrüstung nach Alaska zu fliegen und sich dort einzudecken. Einziger Nachteil ist dann allerdings, dass man die Ausrüstung nicht getestet hat und auch das Packmaß erscheint mir bei der amerikanischen Ausrüstung grundsätzlich voluminöser.Von all der Vielfalt erschlagen habe ich mich letztlich auf den Erwerb von Moskitoschutz beschränkt, sowie im weiteren ein Buschmesser und erste Vorräte gekauft - natürlich Bohnen, mein Karma. Die Ausrüstung habe ich noch mit einem Reservekanister vervollständigt und mich umgehend von der Großstadt entfernt.

Mitten in Alaska Michael Witsch

 Bereits wenige Kilometer außerhalb von Anchorage, das Charakter einer Metropole hat, mit sämtlichen Großeinkaufsstädten die man  aus Amerika kennt, wird das Land rauh, weit und unwirklich. Da Alaska recht weit in Richtung Polarkreis liegt, letztendlich auch der nördlichste Punkt den ich erreichen wollte, wird es im Sommer gar nicht richtig dunkel, Tageslicht ist auf jeden Fall bis fast 22:00Uhr vorhanden.

Den ersten Abend verbrachte ich an einem See in der Nähe eines größeren Gletschers. Ich war doch durch den Flug, die Aufregung in der  unbekannte Stadt und die Motorradfahrerei so müde, dass ich über die von den Bären ausgehende Gefahr überhaupt nicht mehr nachgedacht habe.

Gerade die „Bärengefahr“ war, wie ich zugeben muss, für mich die größte Überwindung. Das galt spätestens ab dem Zeitpunkt, zu welchem ich bei der Suche nach Reiseinformationen ein Buch gefunden hatte, dass von einem Mann berichtete der Hab und Gut aufgegeben hatte um in die Wälder zu ziehen und innerhalb von vier Wochen in Alaska verstorben war.

Um es kurz zu machen, letztendlich geht wahrscheinlich die tatsächliche Gefahr von uns Touristen aus, wenn wir entgegen der ausdrücklichen Anweisungen Wildtiere füttern und anlocken. Ich habe Lebensmittel in den Packkoffern des Motorrades immer etliche Meter entfernt vom Zelt aufbewahrt.

Für den Umgang mit Wildtieren fand ich eine Anmerkung richtungsweisend die lautete:“ Wer Alaska besucht und meint eine Schusswaffe zum Schutz gegen Bären mitführen zu müssen, sollte bedenken dass er auch woanders Urlaub machen kann, der Bär kann das nicht“. Dieser eigentlich pathetische Satz gibt aber die Situation wieder. Ich habe auf meiner Reise, die etliche tausend Kilometer lang war, eine Vielzahl von Bären auch aus unmittelbarer Nähe gesehen, die mich wahrscheinlich genauso neugierig angestarrt haben wie ich sie. Eine tatsächliche Bedrohung habe ich nicht erfahren, obwohl ich im Überwiegenden im Wald oder auf den ungeschützten und abgelegen Campgrounds übernachtet habe und dort auch meist alleine war. 

Spätestens nach der ersten Nacht war somit das Problem “ Bären“ auch hinten angestellt.

Wie immer hatte ich keine Uhr dabei, hatte ich mich doch darauf verlassen das Andreas Tri Band Handy funktionieren würde. Zumindest konnte ich aber durch gelegentliches Einschalten die heimatliche Uhrzeit feststellen und mit rudimentären Kenntnissen die örtliche Tageszeit errechnen. Wenn man alleine unterwegs ist, gibt es in solchen einsamen Gegenden als einzige Beschäftigung tatsächlich nur das Motorradfahren, was sich entsprechend auch in den vielen gefahrenen Kilometern ( Meilen laut Tacho ) niederschlägt.

Mein nächster Zwischenstop sollte Tok sein, von wo es über den Top of the World Highway nach Dawson City/ Yukon geht. 

Die Ortschaften liegen hier oben weit auseinander, Benzin gibt es üblicherweise nur an größeren Kreuzungen oder örtlichen Anbindungen. Aber auch hier kann man sich auch schnell täuschen. So bin ich zunächst durch Glenhallen, ein wichtiger Versorgungspunkt,  durchgefahren, weil ich nicht erkannt hatte, dass die drei Häuser und das Hotel die Ortschaft darstellten. 

Etwa zehn Meilen südlich von Tok ist der Abzweig nach Eagleplains, ab hier sollte dann auch für die nächsten Tage der Asphalt den ersehnten gravelroads  weichen. 

Beim Abzweig nach Eagleplans befand sich eine Straßensperre durch die ich darauf aufmerksam gemacht wurde dass von dem“ Smoke“ aktuell keine Gefährdung für mich ausgehen würde. Es dauerte eine Weile bis ich begriffen hatte, dass in Alaska Buschfeuer als “Smoke“ bezeichnetet wird. 

Ich hatte kurz vor dem Abflug noch die staatlichen Karten vom Verkehrsministerium zu Alaska im Internet eingesehen, dort hatten sich die Brandherde erheblich ausgeweitet und lagen bedauerlicherweise auch auf den von mir geplanten Routen, wobei es wegen der Infrastruktur in Alaska so gut wie keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Tatsächlich haben es die Feuerwehrleute - Firefighters- im wesentlichen immer geschafft die Routen frei zu halten und sorgen für die Sicherheit in besonders gefährdeten Streckenabschnitten durch den Einsatz von Leitfahrzeugen.

 Yukon Top of the World Highway Michael WitschDer Top of the World Highway darf durch Wohnmobile und Leihfahrzeuge im wesentlichen nicht befahren werden. Die Verträge der Autovermieter sehen insoweit einen vollständigen Nutzungs- und Haftungsausschluss für das Fahren auf unbefestigten Straßen vor. Entsprechend einsam ist auch der Top of the World Highway was sich insbesondere darin niederschlägt das gerade die Grenzposten gerne das Gespräch suchen. Eine Kontrolle habe ich an der Grenze zwischen Alaska und Yukon so gut wie nicht erfahren, die einzige Fragestellung richtet sich auf das Mitführen von Waffen und einem Barbetrag von mehr als 10.000 US$.

Der Top of the World Highway endet mit einer Fährfahrt über den Youkon nach Dawson City.

Dawson City, dass ich noch in blühender Erinnerung aus den Büchern von Jack London habe, stellt in Wahrheit schon eine recht herbe Enttäuschung dar. Auch wenn behauptet wird, dass es zwischenzeitlich Heimatvereine gibt, die sich darum bemühen die Stadt wieder aufzubauen, gibt es eigentlich nur einige wenige Gebäude die entweder authentisch, oder authentisch nachgebaut worden sind.

Dawson City ist im Wesentlichen über eine Einbahnstraße erreichbar ist und da nächste größere Stadt, Withehorse, über 600 km entfernt ist, wird sich Tourismus in Dawson City im Wesentlichen nur über Fernverkehr abspielen.

Dawson City Michael WitschInteressanter war hingegen, dass in Dawson City ein richtiger Goldrausch herrscht, bei dem tatsächlich an den Wochenenden große Teile der Bevölkerung mit Goldwaschpfannen unterwegs sind um die alten Tailings - Reste des Goldwaschens des Schwimmbagger- nochmals durchzusieben.

Durch die Bedienung im T- Shirt Shop in Dawson City wurde mir auch erläutert, dass Goldmining wieder lukrativ geworden sei, wobei auch hinsichtlich des Schutzes der claims wieder Sitten herrschen müssen wie zu Zeiten des Wilden Westens.

Die Übernachtung in Dawson City ist auf dem staatlichen Campground problemlos und kostenfrei verlaufen. Bedauerlicherweise ist es wegen der hohen Brandgefahr verboten Feuer zu machen, so dass nicht nur die Lagerfeuergemütlichkeit abgeht, sondern insbesondere auch die Mücken reichhaltig auf Nahrungssuche gehen konnten.

Mücken in Alaska

Gerade die Mosquitos erreichen in nördlichen Regionen erstaunliche Größe, die größten Exemplare die ich mit dem mitgeführten Reiseführer platt schlagen konnte, haben einen Durchmesser von bestimmt drei Zentimetern. Diese Größe Mosquitos rechtfertigt selbstverständlich auch das im Outdoor Shop erworbenen Jungle Juice, dass zu 98 % aus DDT besteht.

Erwartungsgemäß stellt sich am dritten Tag ein leichtes Heimweh ein, dass noch Unterstützung durch das trübe Wetter erfährt.

Bereits nach dem Aufwachen klatschen die ersten Regentropfen an mein Zelt. Da die Temperaturen nachts stark absinken, beschlägt auch die ganze Kleidung, so dass ich mich, da ich nur ein kleines Zweimannzelt nutze, während ich mich innerhalb des Zeltes in die Kombi quetsche, auch noch dafür Sorge tragen muss, dass die Ausrüstung nicht nass wird. Ich habe für meine Tour einen

Daunenschlafsack mitgenommen, was mich angesichts der bestehenden Witterungsverhältnisse ständig befürchten lässt, dass ich meine Ausrüstung nicht mehr trocken bekomme. Für die nächste Tour werde ich auf jeden Fall einen Schlafsack mit Hohlfaser mitnehmen, auch wenn dieser vom Packmaß wesentlich größer ist. 

Ebenfalls schaffe ich diese erste Hürde vor der Abfahrt, dassMotorrad springt wunderbar an und das Bepacken ging angesichts der hektischen Mückenattacken relativ zügig von statten.

Wenige Kilometer hinter dem Campground ist der Abzweig auf den Demster Highway, auf dem es dann auf reinem Schotter die fast 800 km bis zum Polarmeer gehen soll.

Dempster Highway Michael Witsch

Bereits gestern hatte ich erste Gelegenheit mich an Schotter zu gewöhnen, auch wenn der Hinterreifen eher als Tourenreifen ausgelegt ist, finde ich genügend  Grip um die Strecke mit angemessener Reisegeschwindigkeit zu befahren. Meine Vorfreude auf grenzenlose Einsamkeit wird bereits nach wenigen Kilometern gebremst, als ich wegen des Buschfeuers auf den Giude Car warten muss. Der aber macht sich dann aber einen Spaß daraus zu testen wie schnell ich es schaffe mit der Enduro auf dem Schotter hinter ihm her zu fahren, im Maximum erreiche ich so auf dem losen Untergrund eine Geschwindigkeit von über 100 mph.

Links und rechts der Straße sind zwar diesmal keine offenen Flammen, dafür aber riesige Flächen verkohlter kleinwüchsiger Baumstämme zu erkennen. Mich beschleicht ob dessen ein ungutes Gefühl, überlege ich mir doch, dass es auf der vor mir liegenden Strecke nur etwa auf halbem Weg den einzigen Anlaufpunkt gibt, um dort Sprit zu erhalten. Das Wetter wird zunehmend schlechter, und, womit ich im Hochsommer auch in Alaska eigentlich nicht gerechnet habe, immer kälter.

Unter der Motorradkombi habe ich lediglich einen dünnen Skianzug an, der so gut wie gar nicht isoliert. Für die 370 km bis zum Versorgungsstützpunkt Eagle – Plains brauchte ich annähernd sechs Stunden, da die Schotterpiste sich bei dem immer stärker werdenden eiskalten Regen in eine glitschige Schlammkuhle verwandelt.

In Eagle- Plains angekommen gibt es dann auch nichts eiligeres als das Zelt aufzuschlagen, ein Feuer zu machen, eine Dose heiße Bohnen zu essen und zunächst einige Stunden im Schlafsack aufzuwärmen. Angesichts der Straßen und Witterungsverhältnisse entschieße ich mich auf die Hin – und Rückfahrt zum Polarmeer wofür ich etwa 2 weitere Tage einrechnen müsste, sein zu lassen und mich mit dem Erreichen des Polarkreises nur wenige Kilometer nordwärts, zu begnügen.

 Polarkreis auf Höhe Dempster Highway Michael Witsch

 

Ohne Zeitgefühl fahre ich am kommenden Tag irgendwann in den frühen Morgenstunden los.

Die Rückfahrt gestaltet sich zumindest hinsichtlich der Straßen deutlich angenehmer, da der Untergrund nicht mehr ganz so rutschig wie am Vortag ist. Das Motorrad und ich haben zwischenzeitlich eine einheitliche grau-braune Färbung bekommen, wobei der Dreck bedauerlicherweise nicht gegen die Eiseskälte schützt. So zittere ich, mehr als ich fahre, wieder zurück in Richtung Dawson City. Irgendwann auf halber Strecke erkenne ich dann auch, dass der kleine Schalter in der Mitte des Lenkers für die Griffheizung ist, was dann doch deutlich zur Erhöhung des Reisekomforts beiträgt.

 

Dempster Highway im SonnenscheinDempster Highway Ii

 

 

Von Dawson City aus fahre ich entsprechend meiner Planung weiter Richtung Caremax, die Straße ist hier im Überwiegenden unbefestigt und beschottert. Regelmäßig finden sich Straßensperren um einzelne Fahrzeuge oder Kolonnen durch Buschfeuergebiet zu leiten. Dabei ist mir hier nicht ganz klar, was letztendlich der Guide- Car bewirken soll, da der Fahrer gleichfalls ohne Atemschutz und ohne Rettungssausrüstung unterwegs ist.

In einer dieser Straßensperren mache ich auch meine erste persönliche Begegnung mit Bären. Entlang der Strassen sind riesige Feuerschneisen mit einer Breite von mindestens 50 m geschlagen, rechts der Straße brennen gelegentlich Baumwipfel lichterloh auf, als plötzlich eine Bärenmutter mit zwei Jungen wenige Meter vor mir über die Straße trabt. Es spricht für die Ausgewogenheit der Bremsen der Kawasaki, dass ich dieses Naturerlebnis ohne Sturz hinter mich gebracht habe.

Die Strecke führt auf weiten Teilen entlang des Yukon, andere Verkehrsteilnehmer sehe ich über Stunden hinweg nicht.

Cambell Highway Michael Witsch

Am Abend in Carmax sehe ich davon ab auf dem innerhalb der Stadt gelegenen Campingplatz zu übernachten, dieser ist nicht nur geschlossen und beinhaltet einen Hinweis auf Übernachtung auf eigenen Gefahr, sondern auch die herumlungernden Gestalten lassen nicht das rechte Vertrauen aufkommen.

Der etwas außerhalb von Carmax gelegene Zeltplatz wiederum ist mir nicht nur wegen des Preises, sondern insbesondere wegen des Einräucherns mit Mückenschutz zuwider. So komme ich dann etliche Kilometer entfernt in freier Wildbahn, dafür aber kostenfrei und alleine, unter. Über die von mir vielzitierte Bärengefahr mache ich mir mittlerweile überhaupt keine Gedanken mehr, auf den staatlichen Campgrounds in Kanada gibt es immer ein Funktelefon, eine Wasserstelle, sowie trockenes Feuerholz und so habe ich abends ein schönes prasselndes Feuer das mich die Gefahren rings um vergessen lässt.

Auch wenn Hochsommer ist, ist dies augenscheinlich am Yukon keine Garantie für gutes Wetter, denn so begrüßt mich der nächste Morgen wieder ausgesprochen feucht, kalt und regnerisch.

Die ansonsten gut zu befahrenden Gravel- Roads verwandeln sich allesamt in schmierige Rutschbahnen so dass sich die Fahrt auf dem “ Highway“ zur gewohnten Rutschpartie ausgestaltet. Ich weiß nicht zum wievielten Mal ich den Vermieter mittlerweile verflucht habe, dass er das Motorrad, obwohl ich ihm die Strecke vorher beschrieben hatte, nicht mit einem ordentlichen Geländereifen bestückt hat.

Andererseits möchte ich den Reifendruck auch nicht unnötig reduzieren, um die Gefahr von einem Platten so gering wie möglich zu halten. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen im Großen und Ganzen bin ich während der gesamten Fahrt gut durch gekommen, bis auf einen Sturz und einen reinen Umfall ist mir wenig passiert.

 Die Strecke über Carmax habe ich unter anderem gewählt, weil hier eine der ursprünglichsten und urtümlichsten kanadischen und nördlichsten Highways herführt. Er ist auf mehreren hundert Kilometern nach wie vor unbefestigt und auch die Bemühungen der Straßenbaukolonnen den Schotter gleichmäßig zu verteilen, sind nur zum Teil von Erfolg gekrönt. Wenn in Reiseführern immer vom Alaska Highway Number One und dessen Urtümlichkeit die Rede ist, dann steht dieser deutlich den Strecken wie der Canoil zurück.

So erreiche ich dann auch Ross River, der nördliche Anschluss an die South Canol Road. Ross River kann im überwiegenden nur über Flugzeuge oder aber über die vorbeschriebenen unbefestigten Strecken erreicht werden. An dieser Stelle wurde im 2. Weltkrieg ein Versorgungsstützpunkt für eine Ölpipeline errichtet, da man ein Angriff- und frostsicherere Ölzufuhr vom Polarmeer in die tiefer gelegenen Regionen sicher stellen wollte. Nach Auskunft sämtlicher Reiseberichte hat sich dieses Unterfangen letztendlich wohl kaum gelohnt und als finanzielles Desaster entpuppt, hat aber in der Gegend auf dem südlichen Teil eine naturbelassene Querverbindung Richtung Wild Horse belassen, der als absoluter Motorradleckerbissen anzusehen ist.

Ross River besteht im Wesentlichen aus einem Hotel, aus einem See und einem Druck Store der , wie die Kaufhäuser hier überall innern größer als außen zu sein scheint. In diesen abgedunkelten Hütten gibt es absolut alles erdenkliche, allerdings zum Teil auch zu horenten Preisen. Da ich nicht weiß wie lange ich für die nächsten 240 km unbefestigte brauchen werde und die nächste größere Stadt mindestens 360 km entfernt ist habe ich mich vorsorglich noch mal ordentlich mit Sprit eingedeckt. Bedauerlicherweise habe ich meinen Trinkwasservorräte nicht ergänzt, da ich noch zwei Flaschen in den Packtaschen wähnte. Gesagt getan, in Ross River getankt, zurück auf den Highway und wenige Kilometer weiter auf die Canal Road eingebogen. Eine erste Abschreckung befindet sich nach etwa 2 km, dort steht eine Hinweisschild mit dem Vermerk das hinter diesem Schild jegliche Unterstützung durch staatliche Stellen für Distanz von 240 km aufhört.

Solche Warnhinweise verleiten eher zum losfahren als dass sie abschrecken, abschreckender ist dagegen der Umstand, dass vom Hinterrad allmählich ein immer stärker klackerndes nicht genau identifizierbares Geräusch kommt. Nach wenigen Kilometern steigt darüber hinaus die Temperaturanzeige mehr und mehr an. Das Problem mit der Temperatur ist relativ schnell geregelt, durch den Dreck hat der Kühler sich zugesetzt so dass ich mit der im Rucksack befindlichen Trinkwasserflasche das Problem ruckzuck abgestellt habe.

Böser ist dann die Überraschung als sich herausstellt, dass die weiteren Trinkwasserflaschen durch das ständige Rütteln durchgescheuert sind. Ok, ist das mit dem Trinkwasser eben nichts mehr, glücklicherweise habe ich einen Wassersack und Chlorpillen dabei um wenigstens die Trinkwasserversorgung sicher zu stellen. Das Problem mit der Kette bekomme ich nicht in den Griff, ist diese strammer gespannt blockiert die Schwinge, ist die Kette zu locker, schlägt sie bei jedem Beschleunigen auf den Rahmen. So muss ich alle 20 bis 30 km anhalten und die Kette in irgendeiner Form einstellen.

 Canol Road Michael Witsch Der Straßenverlauf ist exakt dem Geländeverlauf angepasst, was wiederum zu extremen Steigungen und Gefällestrecken führt. Sie sind zum Teil so steil ansteigt dass ich nicht mehr einsehen kann was mir gerade entgegen kommt, bzw. wie der Verlauf der Strecke sich auf der anderen Seite gestalten wird. Bei einer dieser Aktionen komme ich dann auch mit zuviel Schwung über den Hügel, gerate ins Rutschen und schlage letztendlich rechts im Graben auf.

Der Abstieg geht zum Glück ohne größere Blessuren von Statten, dafür aber steckt das Motorrad jetzt im Schlamm fest.

Canol Road Michael Witsch

Mein Versuch das Motorrad an der Pisteentlang zu einem flacheren Stück zu schieben ist auch nicht die prickelnde Idee, sondern führt dazu, dass sich die Räder immer weiter in den Schlamm  hineinbohren und das Gerät erneut umkippt. Durch die Kälte und Anstrengung bin ich mittlerweile auch so erschöpft, dass ich ernsthaft überlege das Motorrad zunächst liegen zu lassen und auf Hilfe zu warten. Die bereits nach wenigen Augenblicken einsetzenden Mosquitoattacken führen mich jedoch schnell zu der Erkenntnis, dass ich an diesem Tag lediglich zwei Autos - und das auch noch am frühen Morgen - gesehen habe, so dass meine Chancen tatsächlich Hilfe zu erlangen ausgesprochen gering sind.

Die nächste asphaltierte Strecke ist immer noch gute 40 km entfernt, die nächste Stadt in der ich Hilfe erlangen könnte, White Horse, immerhin noch 140 km.

Von meiner letzten diesbezüglichen Tour – Assietta Grenzkammstraße -  habe ich noch genug Übung und fange zunächst damit an alles vom Motorrad runterzubauen um das Gewicht zu erleichtern. Geduldig trage ich die Ausrüstungsgegenstände aus der Schlammzone heraus und kann nach einiger Zeit das Motorrad tatsächlich mittels eines Packsackes aus dem Schlamm hebeln.

Kaum steht das Motorrad wieder auf der Straße, muss ich mit Entsetzen feststellen, dass der  Kupplungszug gerissen ist.

Der Motor springt zwar an, ein Fortbewegen oder Anfahren ist so jedoch nicht möglich. Also muss ich auch das Motorrad mühsam bis auf den nächsten Hang schieben, dort wider bepacken und lasse mich dann in der Hoffnung genügend Schwung zu bekommen die Gefällestrecke runterrutsch. Und tatsächlich schaffe ich es den laufenden Motor im ersten Gang ohne Kupplung reinzutreten und loszufahren. Die nächsten 40 km sind eine reine Bibber- und Rutsch Partie. Der Streckenverlauf wird immer schlammiger und steiler und meine Angst, das Motorrad wieder auf einen Hang hochschieben zu müssen oder gar endgültig liegen zu bleiben, sorgt dafür, dass ich in ständiger Angst einen Fahrfehler zu begehen, über die gesamte Streckenbreite hin und her rutsche.

Letztendlich komme ich aber auch ohne Benutzung der Kupplung bis auf den heiß ersehnten Abzweig nach Withe Horse. Ich bin nach diesen Tagen auf unbefestigten Pisten von oben bis unten mit Schlamm überzogen, ebenso meine Ausrüstung und das, was man vielleicht noch ansatzweise als Motorrad erkennen kann. Um bloß nicht anhalten zu müssen rolle ich in Withe Horse über die eine oder andere Ampel – man merke, erste Ampel seit Tagen – und komme tatsächlich bei einem freien Zimmer zum Halten. Die Herbergsmutter schaut mich zwar angesichts meines Gesamtzustandes ausgesprochen kritisch an, lässt sich dann aber doch erweichen mir das Zimmer zu geben vor dem das Motorrad ohnehin steht. 

Der kommende Tag ist Sonntag, gleichwohl hat in der „ Warmen (?) Saison nahezu jeder größere Laden in White Horse offen. Das gilt für Kneipen, Alkoholausschank, Autohändler und Supermärkte, wie auch für die Motorradshops, allein die Kawasaki Vertretung hat geschlossen. Nach einem längeren Fußmarsch durch Whithorse kommt dann der größte Teil meines Werkzeugs zum Einsatz, mittels des  Bremszuges eines Mountainbikes und einer Elektroklemme kann ich letztendlich einen Kupplungsersatz zurechtbauen der auch bis zur Abgabe des Motorrades hält.

 Reparatur in WhitehorseUnstreitig steht mir für die bislang durchgestandenen Strapazen eine Entschädigung zu, so dass ich mit dem frisch reparierten Motorrad die wenige Kilometer entfernten Takini Hot Springs aufsuche. Das Liegen im heißen Wasser wirkt ausgesprochen entspannend, so dass ich mich auch noch entschließe die ebenfalls vorhandene Sauna zu besuchen. Meine Anfrage an den Bademeister, ob auch in Amerika Sauna komplett unbekleidet besucht, wird, stößt auf Unverständnis, weckt jedoch augenscheinlich bei dem jugendlichen Bademeister das Bedürfnis einen längeren Ferienaufenthalt in Deutschland und dort insbesondere in den Saunen abzuhalten.

Am Montag morgen mache ich mich erneut auf zur Kawasaki Vertretung auf um das Provisorium durch ein typengerechtes Bauteil zu ersetzen. Leider hat die Kawasaki Vertretung nicht nur am Sonntag geschlossen, sondern auch augenscheinlich Montags besonders unmotivierte Mitarbeiter, so dass ich mich ohne das Ersatzteil auf den Weg nach Skagway mache. 

Die besondere Attraktion in Skagway liegt in der historischen Funktion als Tor zum Klondike. Unter diesem Gesichtspunkt ist aber schon eindrucksvoll wie viel Aufwand betrieben worden ist um die schmale Schlucht zum White Pass auch im Winter in speziellen Loks und Schneeräummaschinen frei zu halten. Als Anlaufpunkt für Touristen ist Skakway wahrscheinlich deshalb so berühmt worden will hier auch noch die größten Luxusliner im Naturhafenbecken buchstäblich wenige Meter vor dem Land ankern können. Der größte Luxuslinder den ich gesehen habe hatte sichtbare 14 Stockwerke und 2 außenliegende Aufzuganlagen. Der Ort selbst ist so klein, dass ich bereits gegen Mittag alles einigermaßen Sehenswertes drei Mal erkundet habe und nur noch sehnsüchtig auf die Ankunft der Fähre warte. 

In dieser Zeit kann ich dann auch endlich feststellen woher das klackende Geräusch am Hinterrad rührt. Da ich kein Kettenspray dabei hatte, ist irgendwann eines der Ketten-glieder festgerostet und springt beim Abrollen auf dem Kettenblatt hoch. Mit Hilfe der Fettpresse eines Truckers bekomme ich auch dieses Problem in den Griff und habe durch die freundliche Unterstützung auch die Lösung für die kommenden Tage gefunden. Es sei am Rande erwähnt, dass ich in den meisten Werkstätten die Fettpresse irgendwo aus der Ecke kramen durfte und kostenfrei benutzten konnte, lediglich ein eingereister Schweizer hatte die Fettpresse ordentlich und gesäubert an der Wand hängen und verlangte für die Benutzung schlappe 10 Dollar. 

Skagway und Haines sind nach meiner Auffassung bei weitem nicht so beeindruckend wie dies in den meisten Reiseführern beschrieben wird. Überwiegend befanden sich ältere Mitreisende mit Wohnmobilen an Bord, wobei es für die meisten mit Wohnmobilien reisenden Amerikaner ein Lebenstraum ist, den Alaska Highway Number One befahren zu haben. Da ich keine Lust darauf hatte auf einem der privaten Campingplätze zu übernachten - diese sind deutlich teurer als die staatlichen Campgrounds und zudem überwiegend nur von Wohnmobilien besiedelt  - überquere ich spät abends wieder die Grenze nach Kanada. 

Nach einem Geschenkaustausch mit der Grenzbeamtin - Cathrine - und der obligatorischen Frage nach den 10.000 US$ - nein, leider immer noch nicht - bin ich wieder in Kanada. 

Auf der Strecke nach dem Campground Million Dollar Fall habe ich wieder eine spannende Begegnung mit einem Bär. Der Kerl sitzt diesmal rechts von mir im Straßengraben und ist im Sitzen sicherlich noch 1,80 m hoch. Ich muss zugeben, dass ich nicht angehalten und fotografiert habe, gehe aber davon aus, dass wir uns beide gleichermaßen neugierig angestarrt haben.

Auf dem Campingplatz mühe ich mich ab mit der Machete das Holz für ein Feuer klein zu kriegen. Plötzlich fällt ein Schatten auf mich und der große Bruder von Marillion fällt mit einer Monsteraxt über das Holz her. Wenige Sekunden später ist das Gemetzel beendet, ein kurzer Händedruck und „ welcome to canada „, kein Danke, kein garnichts und weg – toll, an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön. Million Dollar Falls Baked Beans

Der nächste Morgen ist - yukonmäßig- wie immer nass und kalt, bislang habe ich keinen Tag erlebt an dem ich das Zelt morgens trocken einpacken konnte. Glücklicherweise ist aber der Schlafsack immer trocken geblieben, mein Tiefsttemperaturschlafsack mit Daunenfüllung ist zwar superwarm, birgt aber in der hier vorherrschenden feuchten Luft das Risiko naß zu werden und zu verkleben. Ich habe mich im Anschluss an diese Tour auch entschieden in Zukunft in solchen extremen Gegenden einen Faserschlafsack mitzuführen. Der ist zwar größer vom Packmaß, dafür ist er aber deutlich weniger empfindlich.

Die Abfahrt am nächsten Morgen gestaltet sich ausgesprochen unspektakulär. Noch am Abend vorher habe ich das Hinweisschild“ Fairbanks 1.004 km“ gelesen, da ist klar, dass ich aller Wahrscheinlichkeit nach diese Strecke nicht in einer Tagestour schaffen werde.

Größere Ausflugsziele liegen auch nicht auf meiner Route so dass ich eher gemächlich vor mich hin zuttel und die wundervolle Landschaft auf mich wirken lasse. Eigentlich könnte ich so, angelehnt an die Packrolle, die Füße auf den vorderen Fußrasten stundenlang vor mich hingleiten, wären da nicht die Einlagen mit der Temperaturanzeige. Ok, kein Problem, angehalten, Wasserstand kontrolliert, wobei ich mich diesmal auch versichert habe, dass ich noch genügend Trinkwasser nach Auffüllen des Kühlers zur Verfügung habe, wieder alles aufgeschnallt  losgefahren.

Wenige Kilometer später die Temperaturanzeige wieder im roten Bereich. Gleiches Prozedere, anhalten, abpacken, Verkleidung abschrauben aber den eigentlichen Fehler kann ich nicht entdecken.

Allerdings ist das Motorrad zu diesem Zeitpunkt so verschmutzt, dass eigentlich kaum noch einzelne Bauteile erkennbar sind. Aufgrund dessen kommt mir dann auch der Geistesblitz, dass sich schlichtweg der Kühler mit Dreck zugesetzt haben könnte. An der nächsten Tankmöglichkeit, die ich nach zwei Stunden erreiche, ist das Problem dann auch durch Reinigung des Kühlers gelöst. Ok, ich hätte das Motorrad zwischenzeitlich auch schon mal säubern können, andererseits gibt es auf den wenigsten Offround Strecken überhaupt die Möglichkeit mit Hochdruck die Verschmutzung des Motorrades zu lösen. Das überzeugt mich einmal mehr, dass eine Wasserkühlung bei einem Motorrad für Nutzung in abgelegener Gegend unnötiger Schnickschnack ist.

Die übrige Fahrt in Richtung Tok vergeht recht unspektakulär, einem strunzigen Harleyfahrer kann ich noch mit den Resten meines Kupplungszuges aushelfen und erreiche gegen Nachmittag die Tok Junction. Im Eingangsbereich lerne ich Rob kennen. Rob hat in den Lower Fourties einen Lehrstuhl, der augenscheinlich recht gut dotiert ist. Nicht nur das Rob, wie er mir abends beim Steak erzählt, noch einen Porsche in der Garage stehen hat mit dem er im Rentenalter in Deutschland – no Speed Limit - ausfahren will, nein wo ich mir richtig böse den  ***** abgefroren habe, hat Rob einfach die Heizung seines Motorradanzuges hochgedreht.

Robs Familie ist auch ständig über den Aufenthaltsort informiert, auf Robs Goldwing ist hinten ein riesiger Responder drauf, der mindestens stündlich seine Position via Satellit zu den Lieben daheim sendet. Rob ist darüber hinaus auch noch Iron Butt, wovon der Nummernschildhalter seiner Goldwing zeugt.

Alles in allem verbringe ich mit Rob einen interessanten Abend, den Rob in seiner Suite im Motel, ich hingegen in meinem Zelt außerhalb am Fluss abschließe.

Mein nächstes Ziel ist immer noch Fairbanks und so mache ich mich nach dem Wachwerden – immer noch ohne Uhr - irgendwann auf den Weg, Bereits kurz hinter der Tok Junction wird der “ Smoke“ immer heftiger und letztendlich so stark, dass ich fast zwei Stunden lang die Strecke nur noch anhand des vor mir fahrenden Pick Up erkennen kann. Später wird mir erzählt, dass man sich für diese Strecke eine längerfristige Sperrung überlegt hatte,da es jedoch hier oben keine Ausweichmöglichkeiten gibt, hat man sich dazu entschieden von einer Sperrung abzusehen und, na ja ich bin auf der anderen Seite rausgekommen, da war es also nicht so schlimm.

Bereits zuvor habe ich über die größten Attraktionen von North Pole gelesen, hier wird die Heimatort des Weihnachtsmannes unterhalten, jedermann kann von hier aus den Weihnachtsmann Grußkarten nach hause senden lassen. Ich muss zugeben, ich war in North Pole eigentlich  nur zum Tanken und bin ein mal über die Main Street gefahren, selbst die Fabriktore waren wie gekringelte Zuckerstangen gebogen und lackiert, ansonsten macht der Ort einen so beladenen unangenehmen Eindruck, dass ich direkt weiter Richtung Fairbanks gefahren bin. 

Alaska Highway Kilometer Anfang Michael Witsch

In Fairbanks angekommen habe ich auch relativ zügig das Eiskunstmuseum gefunden, der ohnehin happige Eintritt von 20 Dollar wurde durch die Knolle von 20 Dollar, die sich durch den Nachsendeauftrag noch verdoppelte, doch recht teuer. Das Eiskunstmuseum ist eine Kinosaal der ringsum von Tieftemperatur Gefrierräumen umgeben ist, die zu den Sitzreihen hin verglast sind. Das genaue Prozedere des Eisschnitzens habe ich nicht verstanden, die ausgestellten Skulpturen waren jedoch zum Teil recht kunstvoll geschnitzt.

Außerhalb von Fairbanks liegt eine Gold Dredge, die ich für weitere 15 Dollar besichtigen wollte.

Gold Dredge

Ich wurde schon am Eingang etwas schief angeguckt, weil ich mit 15 Dollar das billigste Touristenpaket gewählt hatte, ab 25 Dollar durfte man mit bloßen Händen im Sand nach Gold graben, ab 35 Dollar mit einer Waschkelle danach suchen. Augenscheinlich war ich der einzige Tourist den die Technik des Schwimmbaggers interessiert hat, während etwa 200 weitere Touristen an riesigen Bottichen mit Sand standen und dort ihr Glück in der Goldwäscherei versuchten. Ich habe es tatsächlich geschafft bei der ganzen Tour nicht einmal ein Angebot auf Goldwäscherei wahrzunehmen wobei ich zugeben muss das ich dieses nicht aus Desinteresse, sondern aus Kostengründen getan habe. 

In Fairbanks habe ich wiederum den vergeblichen Versuch unternommen den provisorischen Kupplungszug durch ein Motorradbauteil zu ersetzen, einzig diesbezügliche Hilfe hatte ich hier vom örtlichen Harleyshop erhofft. Faisbanks wird als Fariest North Point propagiert und ist, man glaubt es kaum, tatsächlich eine riesige hochtechnisierte Halle mitten im Outback. Allerdings sehen die Harleyfahrer auch hier oben so aus wie überall in der Welt, augenscheinlich gibt es da nur den Einheitslook.

Ich wurde entsprechend schon schräg angesehen als ich mit der schmutzigen Kawa auf den Hof gefahren bin und meine Erläuterung, dass es sich dabei um das neue Off Road Modell der Kooperation von Harley und Kawasaki handeln würde, traf augenscheinlich nicht den Humor der anwesenden Biker. Das von mir gefertigte Provisorium wurde aber durch den Mechaniker als gute Lösung gewürdigt, zugleich wurde ich aber auch darauf hingewiesen, dass bei Herley nur noch serielle Erstatteile zum Einsatz kämen, die Zeiten, in welchen man Ersatzteile selber gefertigt habe sei vorbei.

Noch rasch meine Vorräte bei Meyers aufgefüllt und wieder ab ins Outback. Die Strecke zwischen Fairbanks und Ancorage ist stark befahren und wird, je mehr die Küste kommt. umso intensiver für den Tourismus ausgebaut. Mein abendliches Ziel sollte eigentlich der Denali Park sein, von wo aus ich den unbefestigten Denali Highway Richtung Ancorage nehmen wollte. So einsam und allein wie ich unterwegs war, habe ich beschlossen mir abends die zweite warme Mahlzeit in diesem Urlaub zu gönnen ;-), deren einziges Highlight letztendlich die litauische Bedienung war, mit der ich über eine der letzten Motorradtouren nach Russland sprechen konnte.

Den Abend musste ich, mangels anderer Zeltmöglichkeit, auf dem Bear Campground verbringen, wo mir tatsächlich für schlappe 4 m² 28 Dollar abgenommen wurden. Dafür hatte ich aber auch einen atemberaubenden Blick auf die Schlucht die 2 Meter hinter meinem Zelt steil abfiel. 

Die am nächsten Morgen anstehende Fahrt über den Denali Highway war nach meiner Auffassung recht unspektakulär. Das mag zum Teil daran liegen, dass ich die Strecke nicht verlassen habe um irgendwelche Outdoor Aktivitäten durchzuführen, zum anderen war ich mittlerweile so an die Schotterfahrerei gewöhnt, dass ich die Strecke nach guten 2 ½ Stunden bereits hinter mich gebracht hatte. Einziges Highlight war eine Elchkuh mit ihrem Jungen die wie auf Stelzen durch die moorastige Landschaft stacksten. 

Nach den vielen einsamen Kilometern auf staubigen Straßen ist die Rückkehr nach Ancorage ein richtiger Kulturschock, der nach westlichen Verhältnissen wohl nur geringe Verkehr erfordert meine gesamte Konzentration. Dieser quasi Kulturschock wird jedoch aufgewogen durch das überreiche Angebot an relativ preiswertem frischen Essen und insbesondere der gut bestückten Sushibar im Meyers.

Da mir jetzt noch ein wenig Zeit bleibt, werde ich das Angebot von Ruth wahrnehmen und diese in Seward auf der Kenai besuchen. Augenscheinlich habe ich aber nicht als einziger diese Idee. Die Kenai Halbinsel ist wohl der touristisch erschlossenste Teil von Alaska und wird gerade jetzt vor dem Wochenende dicht von Ausflüglern befahren. Prompt verpenne ich auch ein vor mir abbiegendes Fahzeug und kann nur mit eine Stunteinlage auf dem Vorderrad – ungewollt, hab´ ich auch nicht mehr probiert – den Aufprall verhindern. 

Mein erster Abstecher geht nach Homer, der Welthauptstadt für Heilbutt – World Capitol of Halibutt – die sich als eine herbe Enttäuschung entpuppt. Einzig sehenswert ist die bestimmt einen Kilomertins Meer hineinragte Mohle an der links und rechts Imbissbuden stehen, das schlechte Wetter tut ein übriges. 

Also rasch umgedreht und ab nach Seward. Durch die Tsunamie Hasard Warnzone kann ich bis in den vordersten Teil der Landzunge an der Bucht fahren und, obgleich der Campground vollumfänglich reserviert ist, mein Zelt in einer abgelegenen Ecke aufstellen. Der Besuch entpuppt sich als wahrer Glücksgriff. Nachdem ich in sämtlichen Shops und Kneipen nach der kuchenbackenden Blondine aus Deutschland abgeklappert habe, finde ich Ruth in einem kleinen Espressoshop. ( Sorry, beim Einfügen der Bilder hab´  ich festgestellt, dass Ruth garnicht blond ist.) Ruth  ist ihrerseits für mehrere Wochen bei einer Freundin untergekommen die als Einheimische sämtliche Angebote kostenfrei oder zumindest zu deutlich reduzierteten Preisen genießen kann. Dies gilt gleichfalls für die Mitarbeiter, so dass ich kurzer Hand Angestellter von Deb werde. So habe ich zunächst einen schönen Ausflug auf den Gletscher, an den sich der Besuch einer Schlittenhundefarm anschließt, die dem zudem noch dem Gewinner des letztjährigen I did a rode gehört. Der Wahrheit halber sei auch erwähnt, dass der Besuch auch eine mehr als peinliche Schlittenfahrt beinhaltet.  Die Hundehaltung an kurzen Ketten und in Blechtonnen ist auch nicht so ganz mein Ding. Dann ein kurzer Abschied und ab nach Anchorage, denn morgen früh ist Rückflug und ich muss das Motorrad noch ein bißschen hübsch machen.  Für den Abend habe ich mir dann die zweite Übernachtung in fester Unterkunft gegönnt und das Moped mit Küchenrolle, Orangenreiniger und Hochdruck wieder hübsch gemacht. Insgesamt haben wir beide 3772 Meilen  - etwas über 6000 Kilometer - zurückgelegt, da ist die neue Kupplung im Preis drin.

Abgabe und Übernahme waren ebenso unproblematisch wie die Übergabe, keine Probleme, lediglich für das falsch Parken in Fairbanks habe ich nachgezahlt.

Keith Hull und Familie sind echt zu empfehlen.

 

Michael Witsch