Mit der Vespa an´s Nordkapp

 Vespa Nordkapp

Es ist Winter 1989, die Ausfahrten mit dem Roller beschränken sich wegen der aktuellen Witterung auf ein Minimum und der Glühwein auf dem Bonner Weihnachtsmarkt tut ein Übriges um spinnerte Ideen aufkommen zu lassen.

Bereits in des Vorjahren haben Andi und ich ein Vielzahl von kleineren und größeren Touren in die Alpen gemacht und fühlen uns nun zu Größerem berufen, Nach der obligtorischen Gotthardüberquerung mit der Vespa steht also jetzt das NORDKAPP an. Allein das Wort lässt das Gefühl schauriger Gischt und nebelumwobener Einsamkeit aufkommen.

Allerdings gibt es da noch zuvor die eine oder andere Kleinigkeit zu erledigen. Im Jahr 1990 wird mir Andrea das Ja-Wort geben, natürlich standesgemäß auf einer Vespa. Daher muss zunächst in sachkundiger Zweiradschmiede das passende Gerät geschaffen werden.  

 

Vespa mit Heckflossen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach längerer Bauphase kann – unter Einbeziehung aller irgendwie greifbarer Ersatzteile - der passende Roller, hier mit Heckflossen gebaut und an´s Laufen gebracht werden.

An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Gangolf für die Lackierarbeiten. So gewappnet kann ich Andrea dann auch endlich zum Traualtar führen.

Michael Witsch

Bedauerlicherweise habe ich dabei infolge  logistischer Unstimmigkeiten vergessen zu erwähnen, dass kurze Zeit nach der Trauung die Reise zum Nordkapp ansteht. Noch nach nunmehr über 20 Jahren muss ich mir zu einem jeden Hochzeitstag anhören, dass ich die Hochzeitsreise nicht mit meiner Angetrauten vollzogen hätte ;-).  

Aber gesagt getan, der Tag der Abfahrt steht an und in unserem jugendlichen Leichtsinn fahren wir spät Abends ab um die Fähre Rodby- Puttgarden zu bekommen.

Selbstverständlich ist mein Roller bestens präpariert. Sogar die Elektronik habe ich extra noch mit Silikon abgedichtet, da ich ( gemeintg ist der Rolle ) sonst immer wieder mal Aussetzer hatte. Es kommt wie es kommen muss, die Aussetzer bleiben und ich muss in der Nässe auf dem Rastplatz Schloss Röttgen – jaja, gerade mal 25 km gefahren – die erste Reparatur durchführen.

In Folge verbleibt eine Missliebigkeit der Beleuchtung, womit ich den Rest der Nacht hinter Andi herfahren muss um überhaupt etwas zu sehen. Dafür haben die Handschuhe jetzt aber wegen der Silikonbeschichtung einen erhöhten Gripp.

Irgendwo im Norddeutschen finde ich auf der Autobahn eine Handtasche, beinhaltend ein paar hundert DM, Scheckkarten und Geheimzahlen.

Da wir abergläubisch sind und auch noch in das Land der Trolle und Feen wollen, geben wird die eigentlich willkommene Auffrischung der Reisekasse an der nächsten Polizeidienststelle ab, nicht ohne dort einem scharfen Verhör hinsichtlich der Vollständigkeit des Inhaltes unterzogen worden zu sein – klar, Mopedfahrer sind ja auch qua Genetik böse und unredlich.

Na, egal, jedenfalls erreichen wir endlich die Fähre und landen Abends ins Schweden an. Leider haben wir uns die letzten zwei Regenstunden gegen die Kombi entschieden und müssen uns am nächsten Morgen in die immer noch triefend nassen Lederklamotten zwängen.

Überhaupt ist es hier für Sommer nicht so richtig warm. Dafür entschädigt aber die grenzenlose Landschaft und nachdem wir am nächsten Morgen Enköpping passiert haben geht es  auf nahezu menschenleeren Straßen in Richtung finnischer Meerbusen. 

 

Die Fahrt ist fantastisch. Wir halten uns auch an die überall präsente Begrenzung von 80 km, drohen doch für den Fall der Missachtung drakonische Straßen.

Überhaupt herrscht keine Eile und die Mittsommernacht führt dazu, dass wir die Zeit ganz vergessen und zum Teil bis in die frühen Morgenstunden fahren.

Eine Unterkunft - natürlich kostenfrei, das studentische Budget muss geschont werden - ist schnell gefunden, wie hier etwa im Konzertpavillon von Alta;-).

Ich habe meinen Roller – unter Verzicht auf überflüssige Luxusartikel wie Seife und Handtücher – im wesentlichen mit Kanistern und Ersatzreifen bestückt, die ich leider auch alle brauche.

Aber solche Reparatureinlagen können uns nicht aufhalten und weiter geht die stete Fahrt Richtung Norden.

 Bis wir endlich Norwegen und zwei Tage später auch das Nordkapp erreichen.

Michael Witsch Nordkapp

Leider zieht sich das Wetter so zu, dass wir das Nordkapp selber, den Felsen, kaum erkennen können. Es sei mir also verziehen, dass über das Erreichen des Ziel keine ansehnlichen Fotos existieren. 

Für die Rückfahrt wählen wir die Route entlang der norwegischen Atlantikküste, wobei sich auch langsam das Wetter wieder bessert.

Es dauert nocht etliche Tage bis wir wieder zu Hause sind. Die mitgeführten Reservereifen sind irgendwann alle verbraucht, aber der ADAC schickt mir tatsächlich Ersatzreifen und Schläuche mit dem Flieger nach Tromsö. Der Aufenthalt hier ist spitze, die Terasse der nördlichsten Brauerei Europas liegt nach Norden und ist jetzt im Sommer um Mitternacht sonnenbeschienen.

Gemächlich durchfahren wir Norwegen, passieren wieder den Polarkreis und nehmen wenige Tage später die Fähre von Oslo nach Skagen ( DK )

Ab hier wird der Verkehr wieder deutlich hektischer. Das ist letzendlich auch der Grund, warum ich allmählich Zweifel habe, ob eine Vespa für derartige Strecken das richtige Gerät ist. Der Motor hat zwar die Strecke von insgesamt etwa 8000 km überstanden, alles andere ist aber stark in Mitleidenschaft gezogen worden und kaum ein Tag verging ohne Schrauberei. Zuhause angekommen wird denn auch der ganze Roller zerlegt und erst einmal der Motor komplett überholt.

In diesem Zustand liegt er auch heute noch unter der Werkbank. Seither begleitet mich meine R80 G/S.

Aber irgendann wird der Roller doch wieder zusammen gebaut..............

Michael Witsch Feb, 2015