Reisebericht Alpen/ Dolomiten 2002

 

 

Mittwoch, 02.10.2003. Relativ kurz entschlossen machen wir uns zu einer herbstlichen Alpendurchquerung auf. Relativ, weil wir eine Last-Minute Buchung für den Autoreisezug von Verona nach Bonn bekommen haben, die mit 265,00 € nicht viel über dem liegt, was wir mit Maut, Sprit und Verschleiß auch für eine Rückfahrt von Verona aus zahlen müssten und wir zudem fast zwei Tage Fahrt auf Autobahnen sparen.

Um die späte Abfahrt aufzuholen - wir kommen erst gegen Mittag los – geht es in verschärftem Reisetempo Richtung Füssen Allgäu als eigentlichem Ausgangspunkt. 

 

( Jeder deut sich noch e Würsche rin ...)

 

Donnerstag morgen, eisekalt, aber strahlender Sonnenschein. Die Fahrt geht entlang dem Inn, dann das Ötztal rauf über Sölden zum Timmelsjoch. So oft ich schon auf dem Timmelsjoch war, ich wusste gar nicht, dass hier auch richtig die Sonne scheinen kann.

 

 

Das führt aber andererseits auch zu einem Verkehrsaufkommen wie auf dem Rummelplatz, gerade die Lala´s tun sich als Helden der Landstraße hervor um dann auf der italienischen Seite vom Timmelsjoch festzustellen, dass der Straßenbelag nur noch zur Hälfte da ist. So, Timmelsjoch runter, in St. Leonhard scharf links und rauf zum Jaufenpass. Von dort runter Richtung Sterzing, Brixen und rein in ´s Pustatal bis Kiens, links ab Richtung St. Kassian. Der Motorradverkehr hat erheblich abgenommen und die Strecke Richtung St. Kassian entpuppt sich als echtes Kleinod, wird aber wegen der in Bau befindlichen Zubringer zu den Schigebieten in Kürze ihren Reiz verlieren.

 

 

 

St. Kassian liegt an der Zufahrt zum Valparola ( 2192m), der Campingplatz hat eine Höhe von 1700 m und ist verlassen. Nur mit Hilfe des einen oder anderen Sixpack Peroni können wir der Kälte wiederstehen.

Die Kälte – und nicht etwa der Biergenuss - macht es auch entsprechend schwer am morgen auf die Beine zu kommen. Nachdem die BMW aber unter zu Hilfenahme aller Beteiligter angeschoben ist, ist auch allen wieder schön warm ( Dafür gucken mich die beiden allerdings ziemlich zweifelnd an).

 

 

 

 

 

 

 

Aus St. Kassian geht es dann hoch zum Valparola 2192 m, keinen Kilometer weiter trifft man dann schon auf den Falzarego mit 2117 m, sowie wiederum nur wenige Kilometer später bereits auf den Passo di Giau mit 2236 m. ( Ok, auf ein neues, jeder deut sich flück e Brütche rin ... ).

 

Der an den Straßenrändern liegende Schnee war etwa zwei Wochen alt, die Anwohner hatten nicht mehr damit gerechnet, dass die Straßen nochmals frei werden würden. Allerdings zog sich der Himmel mehr und mehr zu und ging gegen Mittag dann in einen leichten Niesel über.

 

Die hier gewählt Strecke verläuft wenige Kilometer östlich der Sella-Gruppe, so dass der jenige, der in den Dolomiten bleiben will von St. Kassian aus eine Vielzahl von Touren über die berühmteren und höheren Pässe – etwa Pordoi oder Grödner Joch etc. fahren kann.  Da wir eigentlich bis zum Monte Grappa kommen und zudem eher kleine Straßen fahren wollten, sind wir entsprechend am Staulanza und Monte Pelmo vorbei über den Passo Duran –1605 m – gefahren. Auch wenn diese Strecken nicht die spektakulären Höhen erreichen wie die eigentlichen Touristenrouten, sind sie schon allein durch die enge Streckenführung und den zum Teil recht schlechten Erhaltungszustand anspruchsvoll zu fahren.

Die Strecke führt ab dem Passo Duran über Passo Aurine – Passo Cereda – Fiera und wieder ein Stück zurück über den Passo Rolle nach Predazzo. Kurz vor Cavalese kommt dann die Zufahrt zum Passo di Manghen, mit 2047 der südlichste 2000er Pass, schon fast auf der Höhe von Trento/ Lago di Garda.  

Tja, und das war dann eigentlich auch schon das Ende der Tour, letzter Abend war am Lago di Caldonazzo – Levico. Von dort aus ging es die wenigen Kilometer nach Verona zur Bahnverladung.  

Wenn auch die Rückreise im Wege Autoreisezug recht angenehm ist, so ist doch die Verladung ein Abenteuer für sich. Die Fahrzeuge dürfen nicht höher als 180,00 cm – einschließlich aller Anbauteile – sein. Da wir recht früh in Verona waren, hatte wir genügend Zeit bei einem Bier zu bewundern wie die Goldwing-Garde stundenlang Antennen, Fähnchen und sonstigen glänzenden Zierrat abschraubte, ein Umstand mit dem ich glücklicherweise wenig zu tun habe.

Vor der Verladung weisen mehrere deutlich sichtbare Warnschilder auf den Gebrauch des Helms während der Verladung hin. Da ich so was ja sowie so besser weiß, habe ich natürlich keinen Helm getragen und mich entsprechend nach vorne gebibbert, bin aber ohne Blessuren angekommen. Mitfahrender Andi hat seinen Helm prompt gegen eine Strebe des Oberdecks gesetzt und lautstarke Rattergeräusche erzeugt, ist aber letztendlich auch vorne angekommen.

Die größte Gefahr bei der Verladung geht jedoch zweifelsfrei von den mitreisenden Autofahrern aus. Diese waren im Schnitt deutlich über siebzig Jahre alt und alt und kaum in der Lage ihr Fahrzeug zu verlassen. In einem Fall konnten wir sehen, wie eine ebenfalls betagte Beifahrerin versuchte wieder in das Auto einzusteigen während der Fahrer den PKW  - eine  S-Klasse – mit langsamen Sprüngen in Richtung der Verladerampe bewegte.

Die Fahrt im Reisezug selber gestaltete sich angenehm, die Abteile werden nicht mit mehr als vier Personen belegt, ein Teil der Mitfahrer war darüber hinaus ebenfalls Motorradfahrer, so dass sich ein angeregter, zum Schluss leicht trunkener, Erfahrungsaustausch ergab. Einziges Problem war, in Köln angekommen, meine unfehlbare BMW, die erst nach größeren Zerlegarbeiten – ok, hatte ich mit den unegalen Findern auch das Zündkabel rausgerissen - wieder bereit war zu Laufen.

 

Michael Witsch