Pyrenäen / Andorra

 

Pyrenäen Michael Witsch

Endlich ist es soweit. Nachdem wir uns über Monate hinweg, eigentlich schon seit der Buchungsbestätigung, tagtäglich mit Anrufen auf dem Handy oder der Mobilbox genervt haben und uns gegenseitig die noch verbleibenden Tage vorgesungen haben, der Originalton soll an dieser Stelle nicht vorgetragen werden (warum nicht?), ist der Tag der Abreise erreicht. Tatsächlich schaffen wir es auch alle relativ früh Feierabend zu machen und gegen Mittag noch die letzten Reisevorbereitungen durchzuführen und insbesondere das Gepäck aufzuschnallen. Treffpunkt ist, wie auch in den Jahren zuvor, grundsätzlich die SVG-Tankstelle am Verteilerkreis in Bonn.

Kurz vor Erreichen des Ziels stelle ich fest, dass ich mein Handy in der Hektik zu Hause liegen gelassen habe und entscheide mich, die kommenden Tage nicht nur auf die Kosten der anderen zu telefonieren sondern nochmal schnell nach Hause zu fahren. Tatsächlich schaffe ich es trotzdem noch um 15:10 Uhr an der Tankstelle anzukommen und stehe dort allein auf weiter Flur. Mein Handy hat auf dem Weg hierhin mehrfach vibriert und eine Abfrage ergibt, dass Klaus vor seiner Haustür steht und ein wenig Anschiebhilfe ob der entladenen Batterie benötigt. Das Problem ist, da Klaus auch in unmittelbarer Nähe des Verteilerkreises wohnt, relativ schnell erledigt und so stehen wir kurze Zeit später wieder am vereinbarten Treffpunkt.

Es kommt, wie es kommen muss, erneut klingelt das Handy, diesmal teilt Sascha mit, dass sein Vater, der während der Abwesenheit auf die Katzen aufpassen soll, gerade erst das Feld geräumt hat und Sascha entsprechend unmittelbar zu Martin fährt.

Langer Rede kurzer Sinn, tatsächlich schaffen wir noch einigermaßen pünktlich die Abfahrt und zutteln, zum ersten mal in der traditionsreichen Geschichte von Guter-Mann-Tours, navigationsgeleitet, in Richtung Neu Isenburg.

Mittlerweile ist es uns auch nicht mehr peinlich zuzugeben, dass wir die Anfahrt zu unseren Motorradtouren sowohl auf Hin- wie auch Rückfahrt mit dem Autoreisezug absolvieren. Gerade die Anfahrt in Richtung Pyrenäen würde aller Wahrscheinlichkeit nach ebensoviel kosten wie der Autoreisezug.

Zudem haben wir im vergangenen Jahr die Erfahrung gemacht, dass der Autoreisezug morgens um sechs Uhr in Neu Isenburg anlandet, für die Strecke nach Düsseldorf dann aber fast 4 ½ Stunden benötigt. An- und Abfahrt in Neu Isenburg bedeutet entsprechend fast den Verlust eines kompletten Arbeits- oder je nach Betrachtung Urlaubstages.

Obwohl wir uns nicht sonderlich beeilt haben, kommen wir recht pünktlich zur Motorradverladung an der Rampe an. Obligatorisch erscheint der Lademeister (diesmal wohlproportioniert und blond) und fragt lautstark und mit offenem Munde vor versammelter Motorradfahrergarde, wie er ( sie ) den Zustand meines Motorrades überhaupt auf der Schadensliste erfassen soll.Andorra Michael Witsch

OK, ich habe das Motorrad, seit ich letztes Jahr aus der Ukraine zurückgekommen bin nicht mehr geputzt und auch sonst über den Winter keine Schönheitsreparaturen durchgeführt. Aber rostig ist sie nicht !!!!  Nachdem das Gelächter der Anwesenden abgeklungen ist, einigen wir uns darauf, dass der Zustand mit "Roststellen" beschrieben wird - was aber nicht stimmt!! 

Die Abfertigung und Verladung in Neu Isenburg ist so unproblematisch, wie wir es bislang noch nicht erlebt haben. Autowaggons, wie auch Personenwagen, werden nahezu unmittelbar nebeneinander beladen, so dass die lästige Rennerei mit Gepäck entfällt. Sowohl auf der Fahrt nach Frankreich, wie auch später zurück, dürfen wir diesmal die großen Packrollen auf den Motorrädern lassen, was, ich darf insoweit an die Gründung von Guter-Mann-Tours erinnern, zumindest aus Frankreich heraus bislang nicht ohne weiteres selbstverständlich war.

 

Die Wartezeit bis zur Abfahrt des Zuges verbringen wir damit das Reisegepäck systematisch zu erleichtern, was insbesondere bedeutet, dass zunächst die Dosenbiervorräte vernichtet werden. Es folgt sodann der 5-Liter Kanister Weißwein, für den Sascha wohl nicht nur ordentlich in einem ortsansässigen Weindepot hingelegt hat, sondern den er auch weisungsgemäß zwei Tage im Kühlschrank zum Durchkühlen aufbewahrt hat. Der Wein ist köstlich und süffig und so gestaltet sich der erste Teil der Fahrt bis zum Einbruch der Dämmerung ausgesprochen fröhlich.

Obwohl wir, wie vorbeschrieben, uns wochenlang die Tageszahlen bis zur Abfahrt vorgesungen haben, haben wir es irgendwie nicht geschafft, uns vorher eine Reiseroute auszuarbeiten, auch das Vorhaben, dies während der Anfahrt zu bewerkstelligen bleibt eigentlich ohne Erfolg. Augenscheinlich ist die so getätigte Vorgehensweise der Gruppendynamik nicht abträglich, denn wie wir mitbekommen streitet sich die Besatzung des Nachbarabteils doch recht heftig und kann sich wohl auch am nächsten Morgen noch nicht entscheiden, welche Route denn eingeschlagen werden soll.

Nach dem ersten Liter Weißwein stelle ich die Behauptung auf, dass der Zug nach Westen fährt, wobei Martin der Auffassung ist, dass der Zug dann rückwärts fahren würde. Seit dieser Nacht wissen wir auch, dass Saarbrücken nicht südlich von Frankfurt liegt, sondern der Zug tatsächlich über Saarbrücken nach Frankreich gefahren ist.

So angenehm und unproblematisch die Abreise in Neu Isenburg ist, so hektisch gestaltet sich die ganze Angelegenheit in Narbonne. Abgesehen davon, dass es hier am frühen Vormittag schon brüllend heiß ist, muss vom Bahnhof für die Passagiere ein Bus-Shuttle zur Fahrzeugentladung unterhalten werden. Narbonne Autoreisezug Michael WitschDie ersten beiden Busse kommen auch durch die von einem parkenden PKW verursachte Engstelle hindurch, der von uns genutzte Busfahrer entscheidet sich hingegen zu warten. Entgegen der leicht scheppernden Stereoanlage, die in mir unverständlichem französischem Kauderwelsch vor sich hin brüllt, ist die Klimaanlage des Busses defekt, so dass bereits innerhalb kürzester Zeit das Deodorant der Mitreisenden im Bus zu versagen beginnt und bereits erste teutonische Überlegungen dazu angestellt werden, welche Befähigungen französische Busfahrer haben sollen. Auch unser Vorschlag, den in der Abfahrtslinie stehenden Kleinwagen einfach zur Seite zu heben wird durch die Reiseleitung nicht akzeptiert. 

Die endgültige Abfahrt aus Narbonne wird dann auch noch etwas verzögert, weil sich ein betagter Mitreisender auf dem von Sascha mitgeführten Komfortsessel platziert hat und nicht einsehen will, dass dieser im Eigentum eines Motorradfahrers stehen kann.

Aus irgendeinem Grunde und ohne größere Absprache haben wir uns als erstes Ziel Carcasonne in Angriff genommen.

Auf dem Weg dorthin schwappt mehrfach die durch den übermäßigen Weißweingenuß - der Kanister ist anscheinend über Nacht verdampft (Anm. Andrea :hahaha) - hoch und führt dazu, dass wir ernsthafte Überlegungen anstellen, ob es sinnvoller ist sich bei geschlossenem oder geöffnetem Visier in den Helm zu übergeben. Jedenfalls aber lautet der einhellige Schwur: Nie wieder Alkohol, zumindest aber keinen Weißwein mehr, zu sich nehmen zu wollen. 

Carcassone Michael Witsch

Die Festungsanlage Carcasonne ist ein Hammer.

Nachdem wir diese umrundet haben, weil wir - der Rheinländer an sich ist jet kniestig - die Kosten für einen Parkplatz sparen wollten, haben wir unterhalb im Ort die Möglichkeit von einem kleineren Parkplatz den vormaligen Fußweg zur Festung zu nutzen.

 

 

 

Wie auch in den Jahren zuvor, zwei unten zwei oben, mache ich mich mit Sascha auf die Festung zu erobern. Eingehüllt in die schwarze Motorradkombi bei sengender Hitze kein leichtes Unterfangen. Um so ernüchternder ist dann auch noch, dass die Anlage bereits komplett fest in touristischer Hand ist. Das Gewühle ist so dicht, dass es kaum möglich ist sich ohne ständigen Körperkontakt durchzuwühlen, so dass wir auch recht zügig wieder das Weite suchen.

Wie wir letztendlich unsere Route ausgefüllt haben, kann ich heute nicht mehr sagen, als grobes Ziel hatten wir uns auf jeden Fall Aix-Les-Thermes gesetzt und fahren über Limoux Richtung Axat. Von hier aus geht es entlang der Aude durch eines malerischen Tals in Richtung Ax-Les-Thermes, das für die heißen Quellen bekannt ist. Da wir auf Höhe Rudomme gezwungen sind die Aude wegen einer Baustelle zu verlassen und es auch bereits recht spät ist, beschließen wir uns den nächsten Campingplatz zu suchen.Auch der Campingplatz entpuppt sich, wie die gesamte Fahrt bisher als echtes Kleinod. Bedauerlicherweise haben wir weder die Adresse noch sonstige Daten behalten, was unter Umständen auch daran liegen kann, dass wir den Campingplatz bar bezahlt hatten und entsprechend keine Quittung erhielten. Wir sind aber bemüht, im Versprechen an den Platzwart, diesen ausfindig zu machen und seine vortrefflichen Dienste weiter zu verbreiten.  

Was wir allerdings nicht bedacht haben ist, dass die Pyrenäen eben ein Hochgebirge sind und wir auf weit über 1600 m übernachten. Ich mache mir am nächsten Morgen zunächst Gedanken darüber, ob ich altersbedingte Durchblutungsstörungen habe, bis ich die gleichfalls blaugefrorenen Finger von Martin erblicke.Axat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geteiltes Leid ist halbes Leid und spätestens, als wir gute zwei Stunden später die Füße in den heißen Quellen baden ist die Eiseskälte zunächst vergessen.

Aix les Thermes

 

Bei Kaffee und Croissant machen wir uns Gedanken über den weiteren Streckenverlauf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andorra ist selbstverständlich ein Muss, wobei wir in einem der mitgeführten Reiseführer eine Anmerkung finden, dass man von Pal in Andorra über eine unbefestigte Strecke nach Tor in Spanien gelangen kann. Und so fahren wir entlang der Pic D'Auriol über den Pass de la Casa (2091 m) nach Andorra.  

 Hier trennen sich in altbewährter Manier, zwei links zwei rechts, wieder unsere Wege. 

Andorra offroad nach Spanien

 

 

Während ich mich mit Martin über die unbefestigte Strecke Richtung Llavorsi aufmache, fahren Sascha und Klaus über die Landstraße Via Lasdu, Adrall entlang der N260 wohl im späteren N13 zum Treffpunkt.

 

 Der Querverbinder zwischen Andorra und Spanien ist ein echtes Highlight. In Andorra ist die Strecke noch durchgehend asphaltiert um so dann auf spanischer Seite in einem zerschossenen Grenzschild zu enden.

 

 

 

 

 

 

 

 Die Abfahrt selber geht relativ unproblematisch vonstatten, und auch die vom Verfasser des Reiseführers beschriebene Flussdurchquerung geht ohne Sturz voran.

Andorra Pal

 

 

 

 

 

 

Auf halber Strecke kommen uns bereits Sascha und Klaus entgegen und wir beschließen, ganz unter dem Motto „Bloß keinen Stress“ bereits kurz hinte Llavorsi einen Campingplatz aufzusuchen.Hier machen wir die Erfahrung, dass es insgesamt deutlich günstiger ist auf der französischen Seite zu übernachten. Bereits unabhängig davon, dass die französischen Campingplätze bei deutlich niedrigeren Preisen, bis zu einem Drittel, auch deutlich besser ausgestattet sind, ist auch die Versorgungslage wesentlich besser. In Llavorsi hat lediglich noch ein kleiner Supermarkt auf, der uns, wie wir leider erst nach Ladenschluss und nach dem Auspacken feststellen, grünliches Fleisch verkauft. Zum Glück haben wir bereits zuvor genügend Biervorräte eingekauft, BMW R80G/S Kühlschrankda sich die Campingplatzchefin nicht davor scheut für eine 0,2 l Flasche Bier 1,70 € zu verlangen.

 

 

 

 

Zum Ausgleich dafür haben wir auch in gehörigem Umfang den uns zur Verfügung gestellten Brennholzvorrat genutzt.Am nächsten Tag folgen wir der N13 - im Späteren N28 - zunächst über den Port De La Bonaigoa (2072 m) bis nach Vielha. 

Weiter geht die Strecke über Bossost nach Bagneres De Lochon. Im weiteren Verlauf fahren wir, nachdem wir Arreau passiert haben über den Col D’Aspin nach Saint Mere. Von hier aus startet die Strecke über dem berühmten Col Du Tourmalet, das Highlight einer jeden Tour de France mit 2114 m ( ja wieviel denn nun ?).

Strecke in den Pyrenäen

Augenfällig ist auf dem gesamten bisherigen Tourverlauf, dass die Strecken im überwiegenden gut ausgebaut sind, gleichwohl aber bei weitem nicht so überlaufen sind wie die Alpen.

 

 

 

 

 

In Luz kaufen wir die Vorräte für den Abend ein und machen uns auf in Richtung Gavarnier, einem wohl weltberühmten Bergkessel. Bereits abends müssen wir eine Plane gegen den Wind aufstellen, die Nacht ist dann im wahrsten Sinne eisekalt. Unsere Versuche am nächsten Morgen im Wege Offroad die französische Seite zu erreichen scheitern daran, dass wir zunächst den falschen Abzweig erwischen.Dabei ist hervorzuheben, dass die Geländetauglichkeit der von Klaus geführten CB 500 doch bewundernswert ist. Nach Rückkehr in Gavarnier besteht dann kein Bedürfnis mehr die soeben auf Schotter erworbenen Fertigkeiten zu verbessern, so dass wir uns entschließen via Landstraße nach Lourdes zu fahren (an der Überquerung der Gavarnier nach Spanien waren wir unter anderem auch dadurch gehindert, dass auf der richtigen Passstrecke eine vollkommene Sperre für motorisierte Fahrzeuge ausgesprochen ist. Mit einer Gruppe von 4 Motorrädern, die zum Teil eben auch eigentlich nur straßentauglich sind lohnt es sich entsprechend nicht den gegebenenfalls mit der verbotswidrigen Nutzung eingehenden Ärger auf sich zu ziehen.( doch weich geworden ?).)

Lourdes ist eine angenehme Überraschung, zumindest ist das spätnachmittagliche Essen ganz ausgezeichnet und zudem auch noch preiswert, so dass wir gestärkt wieder in Südrichtung über Argeles Gazost Richtung Col Du Soulor und Col D’Aubisque (1705 m) nach Laruns fahren. Eigentlich hatten wir vor den Sonntag geruhsam ausklingen zu lassen, da wir aber anscheinend auf einer Hauptstrecke in Richtung Spanien sind, finden wir auch keinen ruhigen Campingplatz und müssen die N136 bis nach Biescas/Gavin durchfahren. Der Campingplatz hat erwartungsgemäß wieder spanisches Preisniveau, ist aber doch deutlich besser ausgestattet. Nach Vorlage der ersten ADAC-Karte reduziert sich zudem der Preis auf 48,00 €, nach Erscheinen der nächsten ADAC-Karte um weitere 4,00 €. Der Gesamtbetrag, der dann gezahlt werden muss hat sich uns bis auf den heutigen Tag nicht erschlossen, am nächsten Morgen gibt es entsprechend auch Diskussionen, warum 4 Zelte, 4 Personen aber nur 2 Motorräder eingebucht worden sind. 

Wie wir abends so da sitzen, in die Sonne schauen und ein Bierchen trinken, Martin Bierstellen wir fest, dass Morgen bereits Montag ist und der Zug am Mittwoch abfahren soll. Bis jetzt sind wir eigentlich mehr oder minder ziellos Richtung Westen gezuttelt und müssten also zusehen – wir wollen unbedingt noch im Mittelmeer baden – dass wir uns wieder Richtung Westen aufmachen. Ein erster Blick in die Karte, wie auch ein Abgleich mit dem Navigationssystem ergibt, dass es bis dorthin etwas über 500 km sein dürften, so dass wir beschließen am nächsten Tag keine größeren Eskapaden mehr anzustellen, sondern dem Verlauf der N260 soweit als möglich zu folgen.

 

 

 

 

 

 

Um an dieser Stelle das Ergebnis vorweg zu nehmen, wir haben dann, nachdem wir 320 km, für die wir einen ganzen Tag gebraucht haben, abgefahren haben, festgestellt, dass unser Zug tatsächlich erst Donnerstag Abend abfährt und wir mithin einen Tag länger Urlaub hatten, als eigentlich ursprünglich eingerechnet. Am nächsten Morgen müssen wir erst einmal das Geburtstagskind kräftig hochleben lassen, Martin ist 38 Jahre alt geworden und darf als König den Tag nach seinen Wünschen gestalten.

Auch wenn die N260 der Hauptverbinder Richtung Mittelmeer ist, ist die Strecke gleichwohl auf weiten Teilen nicht sonderlich ausgebaut Streckenführung Pyrenäenund nach wie vor landschaftlich interessant und bietet nach meiner Auffassung auch für denjenigen der nicht auf nur schemenhaft asphaltierte oder gar geschotterte Strecken ausweichen will einen fahrerischen Hochgenuss. Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich egal auch bei welchen Alpentouren, so viele Kurven von unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gefahren wäre, wie auf dieser Pyrenäen-Tour. 

Und so vergeht der Tag bei sengender Hitze auf der N260. Obgleich die anderen mir mittlerweile untersagt haben das Wort Abkürzung in den Mund zu nehmen, gibt es noch einen kleinen Abstecher zwischen Senterada über La Pobleta nach Gerri, auf diesem Wege vermag man etwa 20 km zu sparen, wobei auch hier wiederum erstaunlich ist, dass diese kleine eng geführte Straße durchgehend mit einen frischen und griffigen Asphalt belegt ist.Sascha Nüchter  

Die Fahrerei ist so anstrengend, dass sich der eine oder andere Teilnehmer hilflos spontanen Erschöpfungszuständen ausgesetzt sieht oder dem nur durch einen Vitaminstoss entgegen wirken kann.

Die Strecke wird erst wieder in Poigcerda interessant – und die Mitfahrerer munter - als Martin einen Carrefour entdeckt, in dem die Vorräte für das abendliche Lager eingekauft werden müssen. Nur wenige Kilometer entfernt liegt der Ort Llivia, der sich durch seine Situation als Enklave hervortut. Auf die, ich glaube kirchenrechtliche Geschichte, soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, interessant ist jedenfalls, dass zu spanischen Preisen getankt werden kann. Über Estevar geht nach Egat, wo wir einen genialen Campingplatz mit einem unglaublichen Weitblick finden.

Weitsicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da wir, wie vorbeschrieben, einen Tag mehr Urlaub haben als eigentlich angenommen, beschließen wir den nächsten Tag sozusagen zur freien Verfügung zu stellen. Sascha plant eine Gipfelerstürmung des auf der Rückseite des Campingplatzes gelegenen Berges, während Klaus es vorzieht sich einen gigantischen Sonnenbrand zuzuziehen (hat ersichtlich ja auch geklappt). Martin und mich zieht es hingegen zu den kleinen, zum Teil auf den Landkarten nicht mehr eingezeichneten Sträßchen und so gelangen wir in der Umgebung von Sansa in der Nähe des Pic Te La Pelade.Offroad

oFFROAD ii

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier ist, wie noch in weiten Teilen der Pyrenäen überhaupt, die Benutzung der Wald- und Forstwege gestattet.

 Angesichts des Umstandes, dass das Motorradfahrer-aufkommen in den Pyrenäen bei weitem noch nicht so groß ist, wie etwa in den französischen Seealpen, könnte es auch sein, dass diese weit gefächerte Spielwiese für Endurofahrer auch noch über Jahr hinweg aufrecht erhalten bleibt. Jedenfalls können wir uns jetzt auf diesem Weg etliche Stunden auf gebirgigen Schotterstrecken austoben, bevor wir uns in einem französischen Konsumtempel für das abendliche Gelage vorbereiten. 

Am nächsten Morgen geht es in aller Ruhe gemächlich weiter über Villefranche in Richtung Perpignan. Nachdem wir jetzt über Tage hinweg Kehren und Kurven abgefahren haben, soll der Urlaub doch in entspannter Atmosphäre auf gerader Strecke am Mittelmeer enden. In Villefranche gibt es noch einen kurzen Konsumflash, wobei man der Ehrenrettung halber zugestehen muss, dass das Angebot an Taschenmessern in dem Eisenwarenladen unglaublich ist. Der Besitzer hat dann auch, nachdem wir das Geschäft verlassen hatten, sofort die Rollläden runtergelassen, da er augenscheinlich den in der Woche erwarteten Umsatz bereits Mittwochs vormittags erledigt hatte.

Also o.k., Richtung Perpignan und dort finden wir in Sainte-Marie-Plage einen Campingplatz, bei dem unsere Zelte nur 20 m vom Strand entfernt sind. In meiner grenzenlosen Gier das Meer zu sehen, pflüge ich mit der BMW direkt in die Dünen, kann mich aber noch vor einem endgültigen Absturz retten, so dass mir das höhnische Gelächter der übrigen Strandgäste erspart bleibt.

 Der nächste Tag ist reine Formsache. Damit die Mitreisenden nicht zu sehr leiden, geht es noch mal unter die Dusche – wobei wir hinsichtlich der Waschungen gerne behilflich sind - und das letzte Paar frischer Socken wird angegriffen. Die Fahrt nach Narbonne geht grundsätzlich rasch vonstatten, so dass wir eigentlich genügend Zeit hätten die Autoverladung aufzusuchen. Bedauerlicherweise überkommt uns jedoch wieder ein kollektiver Konsumflash, so dass wir wiederum auf den letzten Drücker an der Bahnverladung erscheinen und unsere Motorräder entsprechend auch als letzte auffahren. Doofe Bemerkungen über den Zustand meines Motorrades gibt es diesmal nicht, von der Farbgebung haben sich die anderen doch zwischenzeitlich angepasst.

Die Wartezeit bis zur Abfahrt wollen wir noch mit einem kühlen frisch gezapften Bier verbringen. Der Kellner entpuppt sich bereits anfänglich als unangenehme Figur, der uns, entgegen der Wünsche, ausgesprochen große Biergläser serviert. Das alleine hätte uns sicherlich nicht gestört, hätten wir nicht bereits am Nachbartisch eine Diskussion über den abverlangten Preis mitbekommen. Es kommt wie es kommen muss, für vier Bier verlangt der Kellner vingt (20) Euro. Nur mit Mühe können wir Martin hindern dem angehenden Lustknaben das süffisante Grinsen an das Zäpfchen zu nageln, wir dürfen jedoch allen, die in der jüngeren Vergangenheit bei dem gleichen Gastwirt abgezogen worden sind versichern, dass dieser für die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit seiner Toiletten sicherlich mehr wird aufwenden müssen, als ihm der Mehrerlös für das zu teuer verkaufte Bier eingebracht hat. Im übrigen war das Bier kühl und schmackhaft. Die Rückfahrt verläuft obligat unproblematisch, wobei wir irgendwann aufhören Maumau zu spielen, nachdem wir gegenseitig angefangen haben uns kräftig zu besch…. und vermeiden wollten, dass dies letztendlich auf das eigentlich gepflegte Klima schlägt.In Frankfurt Neuisenburg begrüßt uns morgens strahlender Sonnenschein, so dass auch einer geregelten Arbeitsaufnahme noch am frühen Vormittag nichts im Wege steht. Lediglich Sascha entscheidet sich doch noch nach Flensburg hoch zu fahren und verlässt uns kurz hinter Frankfurt um die A4 nach Kassel zu nehmen.

 Und, zu guter Letzt, das Telefon hat bereits wieder geklingelt und eine Stimme sang:

 “ nur noch 340 Tage, nur noch 340 Tage“ 

P.S. Die Zeit haben wir abgekürzt. Im Anschluss an den 60sten von Klaus geht es für ein paar Tage Richtung Luxembuorg, Frankreich, Vogesen und dann ist auch schon der neue Katalog der DB Autoreisezug da.

 

Michael Witsch