Verhalten nach einem Autounfall / Verkehrsunfall

 

1. Polizei zur Unfallaufnahme rufen

Das Verkehrsaufkommen ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Auch wenn, wie die Unfallstatistiken belegen, die Anzahl der Verkehrstoten rückläufig ist, dürfen wir nicht verkennen, dass alljährlich hunderte von Verkehrsteilnehmern, egal ob verschuldet oder unverschuldet, ob aktiv teilnehmend oder nicht, ihr Leben im Straßenverkehr lassen.

Die Zahl der Straßenverkehrsunfälle mit Sachschäden ist demgegenüber deutlich gestiegen.

Die Deutsche Bürokratie hat es selbstverständlich nicht versäumt dem durch eine gesetzliche Regelung Rechnung zu tragen und das Gesetz über die Statistik der Straßenverkehrsunfälle (Straßenverkehrsunfallstatistikgesetz-StVUnfStatG) zu verfassen.

Entsprechend § 1 des vorstehenden Gesetz lautet:

„Über Unfälle, bei denen in Folge des Fahrverkehrs auf öffentlichen Wegen und Plätzen Personen getötet oder verletzt oder Sachschäden verursacht worden sind, wird laufend eine Bundesstatistik geführt. Sie dient dazu, eine aktuelle, umfassende und zuverlässige Datenbasis für Struktur und Entwicklung der Straßenverkehrsunfälle zu erstellen.“

 Auch wenn im ersten Augenblick die Sinnhaftigkeit einer solchen Gesetzgebung zu bezweifeln steht, ergibt sich hieraus tatsächlich zweierlei Notwendigkeit. Für die Frage der Verkehrslenkung und Hinderung von Unfällen bereits in der Entstehung sind tatsächlich Statistiken von Nöten um etwa Unfallschwerpunkte lokalisieren zu können, oder aber verursachende Fehlverhaltensweisen -man denke an die Nutzung von Mobilfunkgeräten- überhaupt erst auffällig zu machen.

Die vorstehend zitierte Gesetzgebung hat darüber hinaus aber noch einen viel interessanteren Effekt. Im weiteren Verlauf wird dort explizit benannt, dass insbesondere „Hilfsmerkmale der Statistik werden die übermittelnde Polizeidienststelle und ihre Tagebuchnummer sowie die Kraftfahrzeugkennzeichen der beteiligten Verkehrsmittel erfasst“.

In der jüngeren Vergangenheit ist im Falle von Verkehrsunfällen vielfach eine Tendenz festzustellen, dass die Polizeidienststellen mit Hinweis auf den gegebenenfalls nur eingetretenen Blechschaden eine Unfallaufnahme zu hindern suchen. Im Hinblick auf ständige Überlastung der Polizeidienststellen ist diese Tendenz sogar ohne weiteres nachvollziehbar, birgt aber für den Geschädigten in der weiteren Unfallabwicklung das Risiko den Unfallhergang nicht nachweisen zu können.

Deshalb mein grundsätzlicher Rat, ist ein Unfall eingetreten, sollte die Polizei hinzugerufen werden. Dies gilt insbesondere selbstverständlich im öffentlichen Verkehrsraum, nach Möglichkeit sollte dies aber auch in der Benutzung etwa von Parkplätzen auf Einkaufszentren, Sportplätzen oder anderen Lokalitäten, die nicht unmittelbar als öffentlicher Verkehrsraum zu bezeichnen sind, erfolgen.

2. Was wird am Unfallort erfasst?

Durch die aufnehmenden Polizeibeamten werden alle unfallrelevanten Daten, also Fahrzeugführer, Fahrzeughalter, Kennzeichen etc. erfasst und allen Beteiligten auf einer sogenannten Unfallmitteilung ausgehändigt.

Geben Sie auf keinen Fall ein Schuldanerkenntnis oder eine Zusage, gleich welcher Natur vor Ort ab. Möglicherweise haben Sie etwa in Folge des Unfallschocks die Situation über deren rechtliche Bewertung falsch eingeschätzt, müssen sich aber das abgegebene Anerkenntnis im späteren zurechnen lassen.

Die so erhaltene Unfallmitteilung ist für den kundigen Leser so zu sagen eine Anleitung für die Schadensabwicklung, die der rechtliche Laie in der qualifiziert notwendigen Form nicht vornehmen kann.

3. Anwaltlicher Beistand

Scheuen Sie sich nicht einen Anwalt aufzusuchen. Als Geschädigter hat der Schädiger die Kosten der Rechtsverfolgung als notwendige Schadensabwicklungskosten zu übernehmen.

Ist Ihnen also zum Beispiel jemand auf Ihr stehendes Fahrzeug aufgefahren, so sind Sie nicht nur berechtigt anwaltlichen Beistand in Anspruch zu nehmen, sondern bekommen diese Kosten im Rahmen der Schadensabwicklung durch den Geschädigten ersetzt. Dabei brauchen Sie auch keine Rücksicht auf den Geschädigten nehmen, dieser wird seinerseits von seiner Haftpflichtversicherung vertreten.

Nach unserer Straßenverkehrsgesetzgebung besteht nämlich ein unmittelbarer Anspruch nicht nur gegen den Fahrzeugführer oder den Fahrzeughalter, sondern insbesondere auch gegen die Haftpflichtversicherung, die die Schadensregulierung über die wohl kalkulierten Prämien refinanziert.

4. Freie Anwaltswahl bei Verkehrsunfällen

Bedauerlicherweise ist eine deutliche Tendenz bei Verkehrshaftpflichtversicherungen, wie auch Rechtschutzversicherungen erkennbar, eigene Vertragsanwälte zur Regulierung anzubieten, oder den Geschädigten mit Angeboten wie einem frei zur Verfügung gestellten Leihwagen oder eigener Fachwerkstatt zu ködern.

Solche Angebote bitte ich ausgesprochen kritisch zu betrachten.

Der Gesetzgeber hat im BGB grundsätzlich vorgesehen das der Schädiger den Schaden nicht selber reparieren soll. Die Situation ist vergleichbar, als wenn Ihnen ein Automechaniker Ihr Auto beschädigt und hinterher nach seinem Gutdünken die Schäden beheben darf. Wenn Sie etwa jahrelang die Werkstatt Ihres Vertrauens aufgesucht haben, dann ist es Ihnen nicht zumutbar Ihr geschädigtes Fahrzeug auch noch der Versicherung des Schädigers anzuvertrauen und dies in einer Werkstatt die Sie nicht einmal kennen, reparieren zu lassen.

Einen Nachteil entsteht Ihnen durch diese Ablehnung nicht.

Aber auch die für die Rechtsverfolgung eingeschaltete eigene Rechtschutzversicherung sucht vielfach im eigenen Interesse die Schadensabwicklung so kostengünstig und damit möglicherweise zu Ihren Lasten abzuwickeln. Viele Rechtschutzversicherungen unterhalten Verträge mit Anwälten, die insbesondere darauf ausgerichtet sind Verfahren nicht in ein streitiges übergehen zu lassen. Bitte bedenken Sie bei der Beauftragung eines Anwaltes, das der ihnen als Vertragsanwalt der eigenen Rechtschutzversicherung empfohlene Kollege, quasi Diener zweier Herren ist. Der dann nämlich von Ihnen beauftragte Anwalt muss zum einen Ihren Schaden rechtlich abwickeln, zum anderen aber insbesondere auch die wirtschaftlichen Vorgaben seines ständigen und vorrangigen Vertragspartners, Ihrer Rechtschutzversicherung wahrnehmen.

Bestehen Sie daher auch gegenüber Ihrer Rechtschutzversicherung auf einen Anwalt Ihrer Wahl. Soweit dabei die Frage von möglicher Selbstbeteiligung im Raume steht, bedenken Sie auch hier, sind Sie der Geschädigte, erfolgt die vollumfängliche Abrechnung ohnehin gegenüber dem Gegner, ist die Höhe Ihrer Selbstbeteiligung bekannt, verhandeln Sie mit Ihrer Rechtsvertretung über eine Anrechnung.

5. Beauftragung eines Gutachters

Auch in der weiteren Abwicklung ist die Beauftragung eines unabhängigen Anwaltes sicherlich insoweit von Interesse, als Ihnen dieser einen unabhängigen Gutachter benannt. Die Beauftragung eines Gutachters wiederum ist erforderlich um eine genaue Schadensschätzung zu erhalten.

 Die Kosten der Begutachtung werden, ebenso wie diejenigen der Rechtsverfolgung oder der Instandsetzung, durch die gegnerische Haftpflichtversicherung getragen, jeweils abhängig vom Grad des Verschuldens oder gegebenenfalls einer Unfallbeteiligung Ihrerseits.

 

6. Was aber leistet nun der Anwalt für Sie?

 

Zunächst einmal wird der Unfall anhand der Unfallmitteilung erfasst und zusätzlich, soweit als möglich, eine Ablaufsskizze erstellt.

Auch wenn die Polizei den Unfall aufgenommen, vermessen und Bilder gefertigt hat, sind diese aus der Unfallmitteilung selber nicht ersichtlich, die Unfallakte wird nun seitens des Anwaltes bei der Polizei eingefordert – die sogenannte Akteneinsicht.

Diese Bearbeitungsdauer hängt wiederum davon ab, ob ein reiner Sachschaden oder aber auch Personenschäden zu beklagen sind. Je nach Schwere des Deliktes werden auch bei reinen Sachschäden Strafanzeigen gefertigt, mit der Folge, dass der gesamte Vorgang an die Staatsanwaltschaft als Ermittlungsbehörde übersandt wird.

Der Eingang der Unfallakte, beinhaltend auch eine Schilderung des Hergangs, Unfallskizze und gegebenenfalls Ablichtungen wird sich entsprechend verzögern, weshalb im Rahmen des ersten Gespräches eine Skizze angefertigt wird.

Über das in der Unfallmitteilung beinhaltete Kennzeichen des Gegners wird die gegnerische Haftpflichtversicherung ermittelt und zunähst unter Schilderung des Sachverhaltes zur Einstandspflicht aufgefordert. Zeitgleich wird zur Schadensermittlung ein Gutachter beauftragt, der mit Ihnen Kontakt aufnimmt und das geschädigte Fahrzeug sichtet sowie im Weiteren den Schaden feststellt.

Neben vorstehenden Tätigkeiten wird zugleich Ihre eigene Haftpflichtversicherung informiert, dieser gegenüber haben Sie zum einen Obliegenheiten, dass bedeutet, dass Sie zeitnah den etwaigen Schaden oder eine etwaige Inanspruchnahme melden müssen, zum anderen besteht immer das Risiko, dass seitens des Gegners ein Mitverschulden behauptet wird und dann ohnehin Ihre eigene Haftpflichtversicherung informiert werden müsste.

Weiterer Schritt ist gegebenenfalls eine Darstellung des Sachverhaltes gegenüber Ihrer Rechtschutzversicherung um dort eine Zusage für die Regulierung zu erreichen.

Etwas komplizierter wird die Angelegenheit noch wenn, was recht häufig der Fall ist, Fahrzeugführer und Fahrzeughalter auseinander fallen, dann sind gegebenenfalls zwei Anspruchsberechtigte vorhanden.

 

7. Schadensabwicklung Dauer

Die weitere Schadensabwicklung kann Ablauf unter Dauer nur sehr schwer prognostiziert werden.

Dies hängt sowohl von der Geschwindigkeit ab mit der der Unfallgegner den Schaden an seine Versicherung meldet, wie auch seiner Darstellung gegenüber der eigenen Versicherung, ebenso wie etwa vom Regulierungswillen der gegnerischen Versicherung, die selbstverständlich auch das Recht hat alle schadensrelevanten Daten einzufordern.

In anwaltlicher Praxis zeigt sich, dass bei Unfallabwicklungen, die bereits anfänglich anwaltlich bearbeitet werden, eine deutlich schnellere Regulierung und deutlich weniger Nachfragen der gegnerischen Haftpflicht zu verzeichnen sind.

Ich kann daher abschließend nur nochmals anraten nach einem Schadenseintritt zeitnah anwaltlichen Beistand aufzusuchen.

Die vorstehenden Ausführungen vermögen eine Fallbezogene Beratung nicht zu ersetzen und sind nur exemplarischer Natur.